Olympia 2032 im Blick: Wie Australien Schädlinge in Schach halten will

Blatta GmbH: Warum ist gerade Down Under so interessant für die Schädlingsbekämpfung?
Shahriar Khalighi: Das Land ist aufgrund seiner einzigartigen Flora und Fauna sowie der klimatischen Bedingungen einer der anspruchsvollsten Märkte der Welt. In Australien ist die Schädlingsbekämpfung kein reiner Dienstleistungssektor, sondern eine überlebenswichtige Infrastruktur zum Schutz von Gebäuden und Gesundheit.
Welche Themen sind dabei für ein deutsches Unternehmen wie die Blatta GmbH besonders interessant?
Das Problem der Resistenzen, moderne Gerätetechnik und Wirkstoffinnovationen. Interessant ist auch, Schlüsse aus den tiefgreifenden regulatorischen Unterschieden zwischen dem deutschen und dem australischen Markt zu ziehen. Ein besonderer Schwerpunkt der Reise lag zudem darin, einen Einblick in die Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele 2032 in Brisbane/Queensland zu erhalten, die eine beispiellose logistische und hygienische Herausforderung für das gastgebende Land sind.



Wie ist die australische Schädlingsbekämpfung organisiert?
In Sydney hatte ich das Privileg, die Zentrale von Agserv Australia besuchen zu können. Das 1908 gegründete Familienunternehmen fungiert in der Schädlingsbekämpfung als primärer Distributor und technischer Berater mit hoher technologischer Exzellenz. Man kann sich Agserv Australia mit seinen sieben Filialen als Rückgrat für die gesamte Branche im pazifischen Raum vorstellen. Michael Harband, Manager der Zentrale in Sydney, empfing mich mit der Herzlichkeit und Offenheit, die beispielhaft für die australische Branchenkultur ist. Seine lockere, freundliche und zuvorkommende Art schuf eine Atmosphäre des Vertrauens. Er führte mich durch die verschiedenen Abteilungen und stellte sicher, dass alle fachspezifischen Fragen der Blatta GmbH detailliert beantwortet wurden.
Was war besonders interessant?
Bei der Besichtigung des weitläufigen Lagers offenbarte sich ein Sortiment, das jedes Schädlingsbekämpfer-Herz höher schlagen lässt. Agserv präsentiert hier nicht nur Produkte, sondern Lösungen für extreme Umweltbedingungen. Zum Beispiel Detektionstechnologie: Besonders beeindruckend waren die neuesten Generationen von Mikrowellen-Detektoren und akustischen Sensoren zum Nachweis von Termitenaktivität in Holzstrukturen. Ebenso die Applikationssysteme: Ich konnte motorisierte Hochdruck-Injektionssysteme in Augenschein nehmen, die speziell für die Bodenbehandlung unter Betonplatten entwickelt wurden.
Welche Schädlinge sind Australien besonders aktiv?
Michael Harband berichtete, dass im Großraum Sydney insbesondere Schaben, Termiten, Ameisen, Nagetiere und Spinnen das Kerngeschäft dominieren. Wir diskutierten zudem über die im australischen Sommer massiv auftretenden Wespenpopulationen.



Hast Du auch Schädlingsbekämpfung in der Praxis erlebt?
Um die Theorie in die Praxis zu transferieren, traf ich mich mit Blake Simms von der Firma Bugs-Be-Gone. Blake ermöglichte mir einen exklusiven Einblick in den operativen Alltag eines australischen Fachbetriebs. Ich konnte ihm zum Beispiel bei der Rattenbekämpfung über die Schulter schauen. In Sydney stellen Nagetiere aufgrund der komplexen Kanalisationssysteme und der unmittelbaren Nähe zum Hafen eine konstante Belastung dar. Blake erläuterte mir während unserer gemeinsamen Tour zudem, dass neben den klassischen Zielorganismen auch die Taubenabwehr ein kritisches Geschäftsfeld darstellt. Dabei steht der Schutz von Photovoltaikanlagen im Mittelpunkt, da die Vögel dort ideale Bedingungen zum Nisten finden, was mit erheblichen Brandrisiken verbunden ist.
Welche Erkenntnisse konntest Du zum Thema Resistenzbildung gewinnen?
Der Einzelhandel und die mangelnde Regulierung spielen dabei eine bedeutende Rolle. In den australischen Filialen von Aldi oder in lokalen Baumarktketten sind manche Schädlingsbekämpfungsmittel frei verkäuflich, die in Deutschland zwingend einen Sachkundenachweis erfordern würden. Blake und ich diskutierten die großen Risiken dieser „Laien-Anwendung“, sie führt zu massiven Resistenzbildungen. Durch unsachgemäße Anwendung werden die Schädlinge selektiert, was dazu führt, dass professionelle Wirkstoffe eine verminderte Wirksamkeit zeigen. Ein strengeres Vorgehen der Australian Pesticides and Veterinary Medicines Authority (APVMA) ist aus Sicht der Blatta GmbH alternativlos. APVMA ist die australische Regierungsbehörde für die Regulierung von landwirtschaftlichen und veterinärmedizinischen Chemikalien.




Was hast Du über die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2032 erfahren?
Großprojekte wie der Bau des olympischen Dorfes und die Modernisierung der Stadien bedeuten massive Erdbewegungen. Experten in Brisbane äußern die Sorge, dass durch diese Baumaßnahmen bestehende Rattenpopulationen aus ihren unterirdischen Habitaten verdrängt werden und vermehrt in Wohn- und Geschäftsviertel migrieren – ein Problem, das wir auch von Großbaustellen wie der HafenCity kennen. In Brisbane kommt das Klima hinzu, das für Ratten sehr günstig ist: Die australische Stadt hat ein subtropisches Klima mit milden, trockenen Wintern; die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 22,1°C. Zum Vergleich: Hamburg: 9,8 °C. Brisbane und andere australische Städte gehen deshalb sehr rigoros gegen Ratten vor, in vielen Tiefgaragen sieht man beispielsweise Rattenköderstationen.
Welche Vorkehrungen trifft die Stadt konkret für die Zeit der Spiele?
Die Erwartung von Millionen internationaler Besucher zwingt die Stadtverwaltung von Brisbane, ihre Konzepte zur Abfallentsorgung und Schädlingskontrolle grundlegend zu überarbeiten. Das subtropische Klima Brisbanes begünstigt die schnelle Vermehrung von Wanderratten und Hausmäusen. Für die Branche bedeutet dies eine Verschiebung hin zu prädiktiven, digital gestützten Monitoring-Systemen, um einen Befall in der sensiblen olympischen Infrastruktur bereits im Keim zu ersticken. Die Blatta GmbH sieht hier das Potenzial für Wissenstransfer. Die großen Event-Standorten in Europa können von dem Know-how der Australierer profitieren.
Welche Herausforderungen hat Australien hinsichtlich der Schädlingsbekämpfung noch zu bewältigen?
Im südlich von Sydney gelegenen Wollongong liegt der Fokus auf der industriellen Schädlingskontrolle im Hafengebiet. An der touristisch geprägten Gold Coast steht der Schutz der Hotellerie vor Bettwanzen und Schaben im Vordergrund, wobei die hohe Fluktuation an Gästen ähnliche Herausforderungen wie in europäischen Metropolen mit sich bringt.
Wie sieht eine vergleichende Bilanz „Schädlingsbekämpfung in Australien und in Deutschland“ aus?
Während in Deutschland der Fokus auf Feuchtigkeitsschutz liegt, ist in Australien die bauliche Termitenprävention gesetzlich verankert. Deutschland setzt auf restriktive Zulassungen von Schädlingsbekämpfungsmitteln zum Schutz der Umwelt. Australien kämpft mit den Folgen der unsachgemäßen Anwendung von Insektiziden und Rodentizide durch Privatpersonen. Dafür forcieren die Weitläufigkeit Australiens und der Druck des anstehenden Großereignisses Olympia die Adaption von hilfreichen Remote-Monitoring-Systemen, die zukünftig überall in der Welt eine immer größere Rolle spielen werden.
Welche Learnings gibt es?
Die Einblicke, die Michael Harband und Blake Simms vermittelt haben, sind von unschätzbarem Wert. Und besonders die Analyse der olympischen Vorbereitungen in Brisbane zeigt, wie wichtig vorausschauendes Handeln bei urbanen Großprojekten ist. Digitale Detektionssysteme, wie sie für Brisbane 2032 entwickelt werden, können auch in der Metropolregion Hamburg zum Einsatz kommen. Klar wurde auch, wie bedeutsam eine noch intensivere Aufklärung unserer Kunden bezüglich der Gefahren von „Do-it-yourself“-Lösungen ist. Wir wollen zudem den kollegialen Austausch mit Sydney und Brisbane pflegen, um bei Wirkstoffinnovationen zeitnah Informationen aus erster Hand zu erhalten.
LÄNDER-INFO
Australien ist der kleinste Kontinent der Erde, jedoch mit einer Fläche von 7.686.850 km² das sechstgrößte Land der Welt und damit etwa 21,5 mal so groß wie Deutschland. Zum Staat Australien gehören zudem Tasmanien und weitere weitere Inseln. Die Besiedlung des Landes konzentriert sich auf die östlichen und südöstlichen Küstenregionen Australiens. Die großen Wüsten- und Halbwüstengebiete Australiens werden als Outback bezeichnet und machen rund 70 Prozent der gesamten Fläche aus. Insgesamt leben in Australien rund 27 Millionen Menschen, die Hauptstadt ist Canberra. Australien zählt zu den 20 größten Volkswirtschaften der Erde.
Unsere Serie „Schädlingsbekämpfung in anderen Ländern“ setzen wir in unregelmäßiger Folge fort.


