So wichtig ist der Schutz unserer Moore

Das Himmelmoor liegt in Quickborn und angrenzenden Gemeinden im Kreis Pinneberg. Mit ursprünglich rund 600 Hektar Mooroberfläche war es das größte Hochmoor Schleswig-Holsteins. Bis 2018 wurde im Moor noch Torf abgebaut.
Wie bildet sich ein Moor?
Moore entstehen, wenn sich im Boden mehr Nässe aus Niederschlägen und Grundwasser staut als abfließen oder verdunsten kann. In solchen dauerhaft feuchten Landschaften siedeln sich spezialisierte Pflanzen an. Die sumpfigen und feuchten Böden sind jedoch so sauerstoffarm, dass sich die abgestorbenen Pflanzenteile nicht vollständig zersetzen. Die konservierte Biomasse bildet den Torf, der mit der Zeit Schicht für Schicht immer dicker wird. Die meisten Moore entstanden in unseren Breiten vor rund 10.000 Jahren, als nach der letzten Eiszeit die Gletscher abschmolzen. Moorlandschaften bedeckten ursprünglich mit etwa 1,8 Millionen Hektar rund fünf Prozent der Landfläche Deutschlands – vor allem in den Tiefebenen im Norden und Osten Deutschlands sowie im Alpenvorland. Inzwischen sind über 90 Prozent der deutschen Moore von Menschenhand zerstört: entwässert, abgetorft, bebaut oder landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzt.
Warum sind Moore in Gefahr?
Der Torf aus Mooren wurde schon früh von Menschen genutzt, bereits steinzeitliche Jäger und Sammler wussten um seine gute Brennbarkeit. Dennoch blieben die schwer zugänglichen Moorlandschaften bis ins 17. Jahrhundert eine weitgehend unberührte Wildnis. Das änderte sich mit dem Beginn der Industrialisierung: Nun begann man, Moore zu entwässern. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts avancierte Torf zum wichtigsten Energieträger in Norddeutschland. Gleichzeitig betrachtete man die Trockenlegung von Landstrichen für mehr Ackerbau und Viehzucht als Fortschritt. Wasser zurückzudrängen und die Natur „zu besiegen“ galten als hehre Ziele. Die großflächige Trockenlegung in industriellem Maßstab fand dann ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt. Die land- und forstwirtschaftliche Nutzung ist der Hauptgrund für die weltweite Entwässerung von Mooren (80 Prozent), etwa zehn Prozent kann auf die Torfgewinnung zurückgeführt werden, weitere zehn Prozent der Moore wurden für Infrastrukturprojekte und Urbanisierung trockengelegt. Als Folge dieser Entwicklung sind von den einstigen Moorlandschaften weltweit und in Deutschland nur noch wenige erhalten.
Warum brauchen wir Moore so dringend?
Feucht, matschig und braun – diese besondere Landschaft ist ein einzigartiges Ökosystem und hat bedeutende Funktionen für die Umwelt. Moore bieten vielen Pflanzen und Tieren Lebens- und Rückzugsräume und sie wirken im Landschaftswasserhaushalt als Filter. Im Sommer wirken sie durch ihre Verdunstungsleistung kühlend. Und: Moore gehören neben Wäldern und Ozeanen zu den effektivsten Kohlenstoffspeicher, die wir auf der Erde haben – wenn sie intakt und nass sind. Nur etwa drei Prozent der weltweiten Landfläche sind Moorböden, dennoch wird dort etwa ein Drittel des gesamten organischen Bodenkohlenstoffs gespeichert. Entwässerte Moore hingegen schützen das Klima nicht mehr – schlimmer noch, sie schädigen das Klima massiv. Warum? Wenn Moore trockengelegt werden, gelangt Sauerstoff in den Torf, was dann zu einem Abbau der organischen Substanz führt. Durch die Oxidation werden dauerhaft erhebliche Mengen Kohlendioxid freigesetzt. Die trockengelegten Moore sind für knapp sieben Prozent der jährlichen Treibhausgas-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Wenn wir das Klima schützen wollen, müssen wir mit den verbleibenden Mooren sehr sorgsam umgehen und so viele wie möglich wieder renaturieren, also wiedervernässen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Nieder- und einem Hochmoor?
Niedermoore sind mit dem Grundwasser, mit Seen oder Bächen verbunden und werden auf diese Weise ständig mit gelösten Mineralien versorgt. Der Nährstoffgehalt eines Niedermoores ist abhängig vom jeweiligen geologischen Untergrund und kann variieren. Daher wachsen je nach Region unterschiedliche Pflanzen in Niedermooren. Unter bestimmten Umständen entwickelt sich aus einem Nieder- ein Hochmoor. Dabei wachsen die Moore in großen Polstern bestehend aus Biomasse und Torf mit der Zeit über den Grundwasserspiegel hinaus und werden irgendwann nur noch von Niederschlägen getränkt, daher werden Hochmoore auch als „Regenmoore“ bezeichnet. Weil die Torfbodenschichten eines Hochmoors keine Verbindung mehr zum Grundwasser oder zu Oberflächengewässern haben, sind sie deutlich nährstoffärmer als Niedermoore. In einem Hochmoor wachsen daher vor allem speziell an diese besondere Umwelt angepasste Pflanzen wie etwa die wurzellosen Torfmoose oder der insektenfressende Sonnentau. Zwergsträucher wie Rosmarinheide oder Moosbeere bewältigen die Nährstoffarmut eines Hochmoors, indem sie mit Pilzen in Symbiose leben, die in ihren Wurzeln siedeln. Torfschichten wachsen jedoch nur ganz langsam, etwa 0,5 bis 1 Millimeter pro Jahr. Bis aus einem Niedermoor ein Hochmoor wird, dauert es tausende Jahre. Bekannt sind zum Beispiel die Harzer Hochmoore und das Schwarze Moor im UNESCO-Biosphärenreservat der Rhön. Moorlandschaften in der Metropolregion Hamburg finden sich im Duvenstedter Brook, nahegelegen ist das renaturierte Wittmoor an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Oder Sie besuchen das Schnaakenmoor in der Wedeler Au, ein einstiges Hochmoor.
Was ist Paludikultur?
Der Begriff stammt aus den 1990er Jahren. Das lateinische „palus“ bedeutet Sumpf. Gemeint ist eine Land- und Forstwirtschaft, die auf feuchten Moorböden stattfinden kann. Paludikultur umfasst verschiedene klimaschonende Anbaumethoden, die eine nachhaltige und wirtschaftliche Nutzung nasser Böden ermöglichen, ohne diese zu zerstören. Das heißt: Die Landschaft wird so genutzt, dass der im Torf gespeicherte Kohlenstoff nicht als CO2 in die Atmosphäre entweicht und sich zudem weiterhin Torf bilden kann. Auch wenn der Begriff relativ neu ist, hat diese Art der Bewirtschaftung lange Tradition. Ein gutes Beispiel ist das Schilf, das für Reetdachhäuser verwendet wird. Die Wiedervernässung von ausgetrockneten Moorböden muss also keinen Verlust für die Land- und Forstwirtschaft bedeuten. Allerdings gibt es bislang erst wenige Paludikultur-Produkte wie Verpackungen und Dämmmaterial. Es erfordert ein Umdenken und die entsprechende politische Weichenstellung, damit nasse Bewirtschaftungsformen gestärkt werden.
Was kann ich selbst zum Schutz der Moore tun?
Wir alle können darauf achten, im Gartencenter nur torffreie zu Erde kaufen, auch bezeichnet als „Pflanzensubstrate ohne Torf“. Hintergrund: Derzeit finden über 80 Prozent des globalen Torfabbaus in Europa statt. In Deutschland geht der Torfabbau zwar zurück und Abbaugenehmigungen laufen aus. Da die Nachfrage nach Torf aber fast unverändert bleibt, steigen dafür die Importe von Torf aus dem Ausland, etwa aus den baltischen Staaten. Hier können Verbraucher und Verbraucherinnen durch ihre individuelle Kaufentscheidung aktiv Einfluss nehmen. Des Weiteren suchen Naturschutzorganisationen wie der NABU immer wieder helfende Hände zur Unterstützung bei der Wiedervernässung von Mooren. Entwässerungsgräben müssen geschlossen und die Sprösslinge von Bäumen („Kusseln“) mitsamt ihrer Wurzeln entfernt und aus dem Gebiet entnommen werden. Viele Stadtteilgruppen des NABU Hamburg betreuen Moorflächen und führen dort seit Jahrzehnten Pflegeeinsätze durch. Hierbei kann man sich ehrenamtlich engagieren. Infos zu den Mitmach-Terminen finden Sie auf hamburg.nabu.de, Stichwort „Moor-Schutz“. Oder Sie spenden für den Moorschutz.
Mehr Infos
Das Greifswald Moor Centrum wurde 2015 an der dortigen Universität gegründet. Die dort entwickelte interaktive Plattform informiert gut verständlich über Moore, bundesweiten Moor- und Klimaschutz, über nachhaltige Nutzung von nassen Mooren und den aktuellen Stand der Forschung, moorwissen.de
Auf der Seite des Bundesumweltministeriums finden Sie alle Informationen zur Nationalen Moorstrategie, die sich für die Vernässung trockengelegter Moore sowie einer Landwirtschaft auf feuchten Böden einsetzt. bmuv.de/download/nationale-moorschutzstrategie-kabinettsbeschluss
Der NABU setzt sich deutschlandweit für den Schutz der Moore ein – mit konkreten Aktionen vor Ort, mit Informationskampagnen und politischer Arbeit, nabu.de, Stichwort „Moorschutz“

