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Krabbler auf dem Teller

Entdecken Sie die Zukunft des Essens: Pasta aus Insektenmehl, Burger aus Buffalowürmern und frittierte Heuschrecken. Seit einigen Jahren sind Lebensmittel aus Insekten auch bei uns im Trend. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Insektenküche und erfahren Sie, warum immer mehr Menschen diese alternative Proteinquelle für sich entdecken.

Insektenmehl und frittierte Heuschrecken

Insektenmehl und frittierte Heuschrecken

Pasta aus Insektenmehl, Burger aus Buffalowürmern, frittierte Heuschrecken: Seit einigen Jahren gibt es auch bei uns Lebensmittel aus Insekten. Manfred Wülfken, IHK-geprüfter Fachmann bei der Blatta GmbH, hat als Lehrbeauftragter an der Leuphana Universität Lüneburg zum Thema „Entofood” gearbeitet und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Entofood – was ist das?

Gefroren oder getrocknet, als Pulver, Paste oder als Mehl: Auch bei uns in Deutschland entwickeln erste Unternehmen Lebensmittel aus Insekten, sogenanntes Entofood. Entomophagie lautet der Fachbegriff für den Insektenverzehr. Ganze, noch ungewürzte Insekten zum Kochen und Braten werden vor allem gefriergetrocknet angeboten. Knabberwaren wie Chips, Kekse und Gebäck sind aus gemahlenen Insekten hergestellt. Auch Nudeln, Burger, Wurst, Brot und Müsli gibt es inzwischen auf Basis von Insekten. Im stationären Handel sind solche Produkte allerdings kaum erhältlich. Wer Insekten-Produkte kaufen möchte, bekommt sie derzeit am ehesten direkt bei den Herstellern oder bei spezialisierten Online-Shops.

Welche Insekten sind bei uns für den Verzehr zugelassen?

Seit dem 1. Januar 2018 gilt in der EU die „Novel Food Verordnung” (2015/2283). Sie regelt die Einführung und Kennzeichnung von „neuartigen Lebensmitteln”. Die neue Verordnung erleichterte unter anderem auch Herstellern von „Entofood”, ihre Produkte auf den Markt zu bringen. Bislang (Stand: Januar 2024) sind vier Speiseinsekten von der EU-Kommission als neuartiges Lebensmittel zugelassen: Die Larven des Mehlkäfers (Tenebrio molitor, im allgemeinen Sprachgebrauch: Mehlwurm) erhielten als erstes Insekt im Juni 2021 die Zulassung. Seit Dezember 2021 darf die Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) in getrocknetem oder gefrorenem Zustand verkauft werden. Im März 2022 folgte die Hausgrille (Acheta domenicus), auch bekannt als Heimchen – gefroren, getrocknet oder pulverförmig verarbeitet. Im Januar 2023 erhielten die Larven des glänzendschwarze Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus, auch bekannt als Buffalowurm) in gefrorener, pastenartiger, getrockneter und pulverisierter Form die Zulassung. Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) prüft vor einer Zulassung, ob der Verzehr als unbedenklich eingestuft werden kann.

Woran erkenne ich, dass in einem Lebensmittel Insekten enthalten sind?

Ein Blick auf das Zutatenverzeichnis genügt. Denn wenn ein Hersteller Insekten in seinem Produkt verarbeitet, ist er verpflichtet, das genau wie bei allen anderen Zutaten im Zutatenverzeichnis anzugeben. Neben dem lateinischen Namen wird immer auch die jeweilige deutsche Bezeichnung angegeben, also Hausgrille, Wanderheuschrecke, Mehl- oder Getreideschimmelkäfer. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen nicht befürchten, dass sie Insekten unbemerkt zu sich nehmen. Speiseinsekten werden übrigens nicht gefangen, gejagt oder gesammelt, sondern auf speziellen Insektenfarmen unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet, erste Farmen gibt es auch in Deutschland.

Sind Insekten gesund?

Grillen, Käfer & Co sind echte Proteinbomben. Der Eiweißgehalt von Speiseinsekten liegt zwischen 35 und 60 Prozent – bezogen auf die Trockenmasse. Heuschrecken und Grillen können sogar bis zu 70 Prozent Eiweiß enthalten. Insekten gelten als sehr gute Quelle für gesunde Omega-3-Fettsäuren und sind zudem reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Ballaststoffen – und dazu kohlenhydrat- und cholesterinarm. Bei empfindlichen Menschen kann der Verzehr von Insekten allerdings allergische Reaktionen auslösen. Deshalb müssen in der Europäischen Union alle Lebensmittel mit oder aus Insekten immer den Hinweis tragen, dass ihr Verzehr bei Menschen mit einer bekannten Allergie gegen Krebstiere und/oder Hausstaubmilben allergische Reaktionen auslösen kann. Diese Information muss in unmittelbarer Nähe der Zutatenliste zur Verfügung gestellt werden.

Was spricht noch dafür, Insekten auf den Speiseplan zu setzen?

Es gibt gute wirtschaftliche und ökologische Gründe, Insekten als Lebensmittel zu verwenden. Insekten vermehren sich schnell und unkompliziert. Sie benötigen keine Weideplätze, verunreinigen keine Böden und verbrauchen kaum Wasser. Bei ihrer Zucht müssen kaum Antibiotika oder Medikamente eingesetzt werden. Ein weiterer Pluspunkt: Man kann Insekten fast vollständig verzehren (zu 80 Prozent, statt nur zu 40 Prozent wie beim Rind). Ein ökologischer Minuspunkt sind hohe Energiekosten auf den Zuchtfarmen, die in der kalten Jahreszeit in Nordeuropa ständig auf 25 bis 30 Grad Celsius beheizt werden müssen. Zudem sind industriell hergestellte Lebensmittel aus Insekten derzeit noch relativ teuer. Auch die Diskussion über tierethische Fragen, die Haltung und Tötung betreffen, befindet sich noch am Anfang.

Wo in der Welt werden Insekten gegessen?

Weltweit dienen Insekten laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rund 2 Milliarden Menschen als Nahrungsquelle. Ein Team der Abteilung für Entomologie (Insektenkunde) der Universität Wageningen/Niederlande hat 2017 eine Liste mit 2111 essbaren Insekten erstellt, Käfer werden am häufigsten verzehrt. Vor allem im tropischen und subtropischen Bereich, in Mittelamerika, in Indien, Thailand, China und Zentralafrika, sind Insekten fester Bestandteil des Speiseplans. Dort gibt es die meisten Insektenarten. Und sie sind das ganze Jahr verfügbar.

Warum ekeln wir uns in Deutschland und Europa häufig vor Insekten?

In einer Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) von 2016 konnten sich nur 10 Prozent der Befragten vorstellen, Insekten zu essen. Rund 30 Prozent meinten, sie würden Insekten höchstens als eine Art Mutprobe essen. Die möglichen Gründe für die Zurückhaltung: Ekel, mangelnde Gewohnheit, kulturelle Prägung und Bedenken hinsichtlich der Hygiene. Bei uns gelten Würmer, Larven und Käfer vor allem als Schädlinge. Interessant: In einem Ausnahmefall haben auch bei uns Insekten, genauer Spinnentiere, einen Platz in der traditionelle Küche gefunden: Der Würchwitzer Milbenkäse, eine Käsespezialität aus Sachsen-Anhalt, erhält seinen typischen Geschmack durch die Stoffwechselprodukte von Käsemilben. Ansonsten zeigen auch jüngere Umfragen weiterhin eine große Skepsis gegenüber Insekten auf dem Teller. Eine aktuelle Erhebung in Deutschland, Italien und Portugal, die im Rahmen des EU-Forschungsprojektes „Sustainable Insect Chain“ (SUSINCHAIN) durchgeführt worden ist, ergab, dass die Akzeptanz gegenüber Lebensmitteln aus Insekten in diesen Ländern weiterhin niedrig ist. Das Forscherteam fand aber heraus, dass vor allem die Information, dass Insekten reicher an Proteinen und Mineralien sind als Fleisch, dabei hilft, dass Menschen sich der Idee öffnen, auch Insekten zu essen.