Zum Hauptinhalt springenSkip to page footer

Stacheliger Besuch

Praktische Tipps für Natur- und Gartenliebhaber von den IHK-geprüften Experten der Blatta GmbH: Erfahren Sie hier, wie Sie Igel im Garten schützen, ihnen Nahrung und Winterquartier bieten und die fleißigen Schädlingsvertilger vor Gefahren bewahren können

Igel (Erinaceus europaeus), wilder, einheimischer europäischer Igel.

Was ist der Igel für ein Tier?

Igel gehören zu den ältesten Säugetieren. Ihre Vorfahren lebten schon vor ca. 65 Millionen Jahren. Der bei uns heimische Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) ist in fast ganz Europa verbreitet. Zusammen mit den Maulwürfen und den Spitzmäusen zählt er zur Ordnung der Insektenfresser. Igel sind überwiegend nachtaktiv und verfügen über ein ausgezeichnetes Gehör und einen feinen Geruchssinn, während ihre Sehkraft eher schwach ausgeprägt ist. Sie paaren sich in den warmen Sommermonaten von Mai bis August. Nach einer Tragezeit von rund 35 Tagen bringt das Weibchen bis zu fünf Junge zur Welt, die zunächst blind und noch ohne Stacheln sind. Erst nach einigen Tagen entwickeln sie die typischen Stacheln, die ihnen Schutz verleihen. Etwa sechs Wochen werden die kleinen Igel gesäugt, dann müssen die Jungtiere selbstständig für ihre Nahrung sorgen. In freier Wildbahn erreichen Igel durchschnittlich ein Alter von drei bis fünf Jahren, in geschützter Umgebung können sie sogar bis zu sieben Jahre alt werden. 

Warum sind Igel schützenswert?

Die süßen Knopfaugen, der possierliche Gang: Der Igel zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Wildtieren in unseren Gärten. Doch seine Bedeutung geht weit über das niedliche Erscheinungsbild hinaus: Igel sind wichtige Schädlingsvertilger. Auf ihrem Speiseplan stehen Schnecken, Ohrwürmer, Raupen, Käfer und andere Insektenlarven, die sonst im Garten Schaden anrichten. Damit tragen die Igel zu einem natürlichen Gleichgewicht bei. Gleichzeitig gilt der Igel in vielen Regionen Europas inzwischen als gefährdet. Die beiden wesentlichen Gründe dafür: Es gibt immer weniger geschützte Lebensräume für sie und ihr Nahrungsangebot wird Jahr für Jahr geringer, weil die Insektenvielfalt abnimmt. Igel zu schützen bedeutet nicht nur, ein einzelnes Tier zu bewahren, sondern auch, ein Stück biologischer Vielfalt zu erhalten.

Welchen Gefahren sind Igel ausgesetzt?

  • Mähroboter und Rasentrimmer verletzen Igel immer wieder schwer, da die kleine Säugetiere bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich im Vertrauen auf die schützende Wirkung ihrer rund 8000 Stacheln zusammenrollen. Der NABU setzt sich für ein Nachtfahrverbot für Mährobotern ein.
  • Offene Kellerschächte oder Lichtschächte werden zu tödlichen Fallen, weil Igel sich beim Sturz verletzen oder in ihrem Gefängnis verhungern.
  • Pools und Gartenteiche: Igel sind zwar gute Kletterer, aber schlechte Schwimmer.
  • Netze, die über Obstbäume und Beerensträucher gespannt sind, um die Früchte vor Vögeln zu schützen, können für Igel zur Falle werden.
  • Straßenverkehr fordert jedes Jahr unzählige Opfer.
  • Pestizide und Schneckenkorn vergiften die Nahrung der Igel oder töten sie direkt.
  • Versiegelte Gärten mit Steinflächen, Schotter oder sterilem Rasen bieten weder Nahrung noch Schutz.

Die Summe dieser Gefahren führt dazu, dass Igel immer weniger geeignete Lebensräume finden.

Wie können Gartenbesitzer ihren Garten igelfreundlich gestalten?

Ein igelfreundlicher Garten bedeutet vor allem: Vielfalt statt Perfektion. Dazu gehören heimische Pflanzen, Hecken, Stauden und wilde Ecken, die Unterschlupf und Nahrung bieten. Offene Komposthaufen locken nicht nur Insekten an, sondern auch Igel, die dort nach Nahrung suchen. Auch Laubhaufen, Sträucher und Totholz sind ideale Rückzugsorte. Wichtig ist außerdem die Durchlässigkeit des Gartens. Ein „igeldichter“ Gartenzaun mag praktisch erscheinen, verhindert aber, dass die Tiere in einem größeren Gebiet auf Nahrungssuche gehen können. Kleine Durchgänge oder Lücken im Zaun helfen den Igeln, sich frei zu bewegen.

Soll man Igel füttern – ja oder nein?

Grundsätzlich sind Igel Wildtiere, die für sich selbst sorgen. Eine Zufütterung ist nur in bestimmten Situationen sinnvoll – etwa im Herbst, wenn junge Igel noch zu leicht sind, um den Winter zu überleben, oder bei anhaltender Trockenheit, wenn Insekten als Nahrung fehlen. Als Futter eignet sich ein Napf mit hochwertigem Nass- oder Trockenfutter für Katzen (mit hohem Fleischanteil und ohne Zucker), ungewürztes und gegartes (niemals roh) Rinderhackfleisch sowie ungesalzenes Rührei. Nicht geeignet für Igel sind Hundefutter, Nüsse, Obst und Speisereste aller Art. Milch ist tabu. Denn Igeln fehlt das Ferment Laktase, deshalb können sie keine Milch verdauen. „Zwar würden Igel die Milch trinken, die Folge wären jedoch schwere Durchfälle“, schreibt der NABU. Frisches Wasser hingegen darf im Garten immer bereitstehen – besonders an heißen Tagen. Um Katzen, Ratten und Marder von dem für die Igel gedachten Futter fernzuhalten, bieten sich  Igelfutterhäuser an – gibt es fertig zu kaufen im Baumarkt.

Wie kann man Igeln beim Überwintern helfen?

Igel halten von etwa November bis März Winterschlaf. Bei anhaltenden Bodentemperaturen um null Grad suchen die Tiere ihr Winterquartier auf. Schutz gegen Kälte und Feuchtigkeit finden sie in Erdmulden, unter Hecken oder eben in Reisighaufen. Wer im Herbst Laub zusammenharkt, kann damit gezielt Winterquartiere schaffen: ein Laubhaufen unter Sträuchern oder hinter der Gartenhütte ist ein perfekter Rückzugsort. Noch sicherer sind Igelhäuser aus Holz oder Stein, die man fertig kaufen oder selbst bauen kann. Wichtig ist, dass die Igelhäuser wettergeschützt stehen und die Tiere dort nicht gestört werden. Auf keinen Fall sollte man im Winter Laub- oder Komposthaufen umschichten, ohne vorher zu prüfen, ob ein Igel darin schläft. Störungen des Winterschlafs beeinträchtigt die Tiere, da ihr Energieverbrauch dann sprunghaft ansteigt. 

Was sollte man tun, wenn man einen hilfsbedürftigen Igel findet?

Nicht jeder gefundene Igel braucht Hilfe. Gesunde Tiere sind meist nachts unterwegs, wirken agil und rollen sich bei Gefahr ein. Hilfe brauchen hingegen:

  • deutlich untergewichtige Jungtiere im Herbst (unter 500 g vor dem Winter),
  • verletzte oder kranke Igel (humpelnd, mit sichtbaren Wunden oder Fliegeneiern im Fell),
  • tagaktive Igel, die apathisch wirken.

In solchen Fällen ist es sinnvoll, Kontakt mit einer örtlichen Igelauffangstation oder einem Tierarzt aufzunehmen. Die Pflege eines Igels sollte man nur gut informiert übernehmen, da falsche Ernährung oder Unterbringung dem Tier schaden können.  

Was können wir alle für den Igelschutz tun?

Der Schutz des Igels ist nicht allein Aufgabe von Naturschutzverbänden oder Behörden – er beginnt im eigenen Garten. Schon kleine Maßnahmen wie das Bereitstellen von Wasser, das Belassen von Laubhaufen oder das Abdecken von Kellerschächten können das Leben der niedlichen und hilfreichen Säugetiere retten. Wer zudem im Freundes- und Bekanntenkreis auf die Gefahren hinweist, denen Igel ausgesetzt sind, sensibilisiert weitere Menschen. Jeder einzelne Beitrag, sei er noch so klein, summiert sich am Ende zu einem großen Vorteil für die Tiere. Auf der Website nabu-shop.de können Sie sich kostenlos die Broschüre „NABU aktiv: Der Igel - Artenschutz vor der Haustür“ runterladen. Darin enthalten ist u.a. eine Anleitung zum Bau eines Igelhauses.

Welche Bedeutung hat der Igel in Fabeln und Märchen?

Der Igel ist nicht nur ein Teil unserer Natur, sondern auch fest in unserer Kultur verankert. In Fabeln und Märchen tritt er oft als Sinnbild für Schlauheit und List auf. Berühmt ist der Schwank „Der Hase und der Igel“ der Brüder Grimm: Hier besiegt der scheinbar unterlegene Igel den schnellen Hasen durch Klugheit und Ausdauer – ein Motiv, das bis heute sinnbildlich für den Triumph des Schwachen über den Starken steht. Auch in anderen Volksgeschichten wird der Igel als cleverer, bescheidener Helfer dargestellt, der Gefahren erkennt und mit einfachen Mitteln überwindet. Seine Stacheln machen ihn zusätzlich zu einem Symbol für Schutz und Wehrhaftigkeit, während sein eher zurückgezogenes Leben für Bescheidenheit steht.