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Faszination Fledermaus

Gruselig? Von wegen! Fledermäuse sind hochinteressante Tiere und hervorragende Schädlingsbekämpfer. Die IHK-geprüften Experten der Blatta GmbH berichten hier Spannendes über die nächtlichen Flugkünstler

Braune Langohrfledermaus

Braune Langohrfledermaus (Plecotus auritus) fliegt und versucht, in der Luft in einer Waldumgebung eine Motte zu fangen.

Sind Fledermäuse Vögel?

Nein – obwohl sie fliegen können, gehören Fledermäuse nicht zu den Vögeln, sondern zu den Säugetieren. Sie sind sogar die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Anders als Vögel haben sie keine Federn, sondern eine dünne Flughaut, die sich zwischen ihren stark verlängerten Fingern spannt. Ihre Jungen werden gesäugt – wie bei allen Säugetieren. Mit weltweit mehr als 1.400 Arten bildet die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera) die zweitgrößte Säugetiergruppe. Sie macht nahezu 20 Prozent aller uns bekannten Säugetiere aus. In Deutschland sind 25 Fledermausarten heimisch.

Wie erkennen Fledermäuse ihre Umgebung im Dunkeln?

Fledermäuse sind nachtaktiv. In der Dunkelheit orientieren sich per Echoortung. Sie stoßen für Menschen unhörbare Laute aus, die von Objekten zurückgeworfen werden. So erkennen sie Hindernisse, Beutetiere oder Artgenossen. Tagsüber hängen sie kopfüber in Bäumen, Höhlen oder Dachböden und schlafen.

Wie pflanzen sich Fledermäuse fort?

Die Paarung findet meist im Herbst statt, die eigentliche Befruchtung aber erst im Frühjahr – das Weibchen „speichert“ die Spermien während ihres Winterschlafs (November bis März). Im Frühsommer bringen die Weibchen dann meist ein einziges Jungtier zur Welt, das sie mehrere Wochen lang säugen und umsorgen. Die Jungen hängen gemeinsam (von 10 bis zu mehreren tausend Tiere) in sogenannten Wochenstuben, auf Dachböden, in Kirchtürmen und Baumhöhlen, hinter Fassadenverkleidungen oder in Höhlen. Mit vier bis fünf Wochen beginnen die jungen Fledermäuse dann selbst Insekten zu jagen.

Warum sind Fledermäuse für uns wichtig?

Eine Fledermaus vertilgt jede Nacht eine Menge von Insekten, die etwa einem Drittel bis der Hälfte ihres eigenen Körpergewichtes entspricht. Darunter sind viele Insekten, die für uns Menschen lästig oder schädlich sein können – etwa Stechmücken, Blattläuse oder Nachtfalter wie der Eichenprozessionsspinner. Damit leisten Fledermäuse einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Pflanzenschutz und zur biologischen Schädlingskontrolle. In den Tropen und subtropischen Regionen gibt es zudem viele Arten, die sich ausschließlich von Früchten und Nektar ernähren. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen und der Verbreitung von Samen.

Sind Fledermäuse gefährlich oder Überträger von Krankheiten?

Fledermäuse sind scheu und meiden die Nähe des Menschen. In Deutschland besteht kein Grund zur Sorge – Fledermäuse übertragen unter normalen Umständen keine Krankheiten. Dazu der NABU: „Fledermäuse zu töten und zu bekämpfen, ist darüber hinaus in der gesamten EU strafbar und als Maßnahme zur Vermeidung menschlicher Erkrankungen vollkommen unbegründet. Die Tiere werden immer wieder zu Unrecht pauschal als „Virenschleudern“ verunglimpft: Dabei leben Fledermäuse in Europa seit Jahrhunderten als enge Kulturfolger in unseren Siedlungen sehr nahe bei Menschen, ohne als Krankheitsüberträger eine Rolle zu spielen.“ Fledermäuse richten auch in Häusern keinen Schaden an. Der trockene, durch Chitinpartikel glitzernden Kot oder Reste von erbeuteten Insekten lassen sich gut wegfegen. Darüber hinaus ist Fledermauskot ein guter Blumendünger!

Gibt es blutrünstige Vampire?

Drei Vampir-Fledermausarten, die Vögel und Säugetiere als Nahrungsquelle nutzen, sind bekannt: der Gemeine Vampir, der Kammzahnvampir und der Weißflügelvampir. Alle drei Arten kommen ausschließlich in Südamerika vor.

Warum sind Fledermäuse gefährdet?

„Die Fledermäuse sind eine besonders gefährdete Ordnung der Säugetiere”, teilt das Bundesumweltministerium mit. Viele Fledermausarten sind durch Pestizide, Lichtverschmutzung und den Verlust ihres Lebensraumes bedroht. Es gibt immer weniger alte Bäume mit Höhlen oder ungenutzte Dachböden. Auch Windräder sind eine Gefahr für einige Arten. Jedes Jahr verenden Tiere bei Kollisionen mit Rotorblättern. In diesem Fall gibt es Lösungsansätze: Anhand von Berechnungen an den Universitäten Erlangen und Hannover sowie weiterer Partnerinstitutionen wurde ein fledermausfreundlicher Betriebsalgorithmus entwickelt, der Zeiträume bestimmt, in denen das Schlagrisiko für Fledermäuse hoch und der Ertrag der Anlage gering ist. In diesen Zeiträumen wird der Rotor still gestellt und damit das Kollisionsrisiko für Fledermäuse gesenkt. Das Risiko des Fledermausschlags kann damit auf einen behördlich festgelegten jährlichen Durchschnittswert reduziert werden. Gleichzeitig werden die resultierenden Ertragseinbußen minimiert. Mehr Infos dazu: probat.org

Wo kann man in und um Hamburg Fledermäuse beobachten?

In und um Hamburg sind derzeit noch 14 Fledermausarten heimisch – darunter Zwergfledermaus, Wasserfledermaus, Großer Abendsegler oder Breitflügelfledermaus. Sie nutzen Parks, Gärten, Friedhöfe oder alte Gebäude als Lebensraum und Quartier. Besonders gut kann man Fledermäuse ab der Dämmerung im Stadtpark, Planten un Blomen, an der Außenalster, im Altonaer Volkspark, im Niendorfer Gehege, an der Dove Elbe oder in den Vier- und Marschlanden oder im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook beobachten. Dort drehen sie auf der Suche nach Insekten ihre Runden durch die Lüfte – manchmal ganz in der Nähe von Spazierwegen. Die meisten kleineren Arten bewegen sich mit einer Geschwindigkeit zwischen 20 und 30 Kilometern in der Stunde, der Große Abendsegler kann bis zu 50 Kilometer in der Stunde schnell fliegen. Interessant: Die verschiedenen Fledermausarten haben unterschiedliche Jagdgebiete und -strategien. Einige jagen nur dicht über der Oberfläche von Gewässern, andere sammeln Insekten vom Laub der Bäume und der Abendsegler fliegt hoch über den Baumkronen. Auch die Ortungsrufe der Fledertiere unterscheiden sich in Tonhöhe (Frequenz) und Rhythmus voneinander.

Wo kann ich an Fledermausführungen teilnehmen?

Der NABU Hamburg bietet regelmäßig Fledermausführungen an. Besonders rund um die europäische Fledermausnacht („European Batnight“), die alljährlich Ende August stattfindet, gibt es viele Veranstaltungen – auch für Familien mit Kindern. Der BUND Landesverband Hamburg informiert ebenfalls regelmäßig über die nächtlichen Flugakrobaten, engagiert sich für ihren Schutz und bietet Führungen an.

Was kann ich zum Schutz von Fledermäusen beitragen?

  • Nachtblühende Pflanzen und insektenfreundliche Gärten locken Beutetiere an.
  • Wichtig ist auch: keine Insektizide verwenden und Lichtverschmutzung vermeiden.
  • Zudem können Sie den nachtaktiven Tieren Fledermauskästen als Quartier zur Verfügung stellen. Bauanleitungen und Tipps zur richtigen Aufhängung finden Sie im Netz bei NABU und BUND.
  • Wer mehr tun will, kann sich bei lokalen Naturschutzgruppen engagieren.

Mehr Informationen

Der Verein Deutsche Fledermauswarte e.V. bietet fundierte Information über diese besonderen Säugetiere und ihren Schutz. Wer möchte, kann den Newsletter „Fledermauskundliche Mitteilungen“ abonnieren, deutsche-fledermauswarte.org

Auf der Website des NABU Hamburg finden Sie vielfältige Informationen über Fledermäuse und fledermausfreundlichen Gärten, über Führungen in und um Hamburg sowie einen Leitfaden, was Sie am besten tun können, wenn Sie ein Fledermausbaby finden. Sie können sich zudem kostenlos eine 40-seitige Broschüre herunterladen, die u.a. eine Anleitung zum Bau eines Fledermauskastens enthält, hamburg.nabu.de